Fröhliches Hüpfen

Da ich super gerne Neues lerne, habe ich ein sehr erfolgreiches Wochenende hinter mir:

Zuerst mal das Profane, aber wundervolle: „Jumping Fitness“. Bis vor einigen Wochen waren meine einzigen Berührungspunkte damit lustige Youtube-Videos, in denen viele Menschen zu Techno-Musik wie verrückt auf Trampolinen durch die Gegend hüpfen. Obwohl fröhliches Hüpfen sehr gut zu meiner Grundhaltung passt und ich unglaublich gerne Trampolin springe, hatte ich das noch nie ausprobiert. Es gab keinen Kurs in meinem näheren Umfeld, und außerdem wirken die Videos schon auch ein bisschen affig, oder? Leider habe ich an der Stelle einen großen Fehler gemacht: Urteilen, ohne es vorher ausprobiert zu haben.

Als ich hörte, dass es in Kaiserslautern eine Jumping Fitness Instructor Ausbildung geben wird, musste sich das ändern: Da ich wissen wollte, ob es mir liegt, ob es mir Spaß macht, und ob es mit meiner Hüfte überhaupt geht, habe ich mit zwei Freunden vor ein paar Wochen einen Probekurs belegt. Was soll ich sagen? JAAA, es liegt mir (sehr sogar!), JAAAAA es macht mir wahnsinnigen Spaß (ich bin noch Stunden später durch die Gegend gehüpft!) und zum Glück geht es nicht nur mit meiner Hüfte, sondern tut mir sogar richtig gut! So locker und geschmeidig wie nach der Jumping Stunde hatte ich mich schon lange nicht gefühlt. Zugegebenermaßen war ich aber auch ganz schön platt. Die Einheit war eine geniale Kombination aus Spaß, sodass man die Anstrengung gar nicht als solche wahrnimmt, und effektivem Training. Genau mein Ding!! Also war klar: Ich mache die Trainerausbildung mit! Nicht nur, um selbst Jumping-Kurse geben zu können, sondern auch, um bei hoffentlich vielen Praxiseinheiten Spaß beim Hüpfen zu haben.

Am Samstagmorgen hüpften wir dann auch direkt los – genial! Trockene Theorieeinstiege sind nicht so mein Ding, ich finde es viel toller, wenn man sich gleich ausprobieren kann. Wir hüpften sogar bis zur Mittagspause durch, 3 Stunden am Stück!! Natürlich immer mal wieder mit kurzen Erklärpausen, aber mir reichte es trotzdem, um gegen 12 schon körperlich fertig zu sein. So viel Spaß es auch machte, wurde mir langsam klar, dass ich mit meinen Kräften haushalten muss – der Kurs war schließlich bis 18 Uhr angesetzt. Also rollte ich in der Mittagspause fleißig meine Beine über die Blackroll (au :-D), um die Muskulatur möglichst geschmeidig zu halten. Nach einer ganz kurzen Theorieeinheit ging es direkt wieder ans Hüpfen – nicht ganz bis 18 Uhr, aber trotzdem war ich danach komplett durch. Eigentlich wollte ich noch mit einer Freundin Geburtstag feiern, aber weiter als auf die Couch schaffte ich es nicht mehr. Kennt ihr das, wenn man so müde ist, dass man noch nicht einmal mehr schlafen kann? 😀

Als ich am Sonntagmorgen aufwachte, fühlte ich mich wie von einer Dampfwalze überfahren. Ich hatte so unglaublichen Muskelkater, dass mir sogar das Atmenwehtat. Wirklich richtig wehtat! Wow. Gut, zugegebenermaßen war das am Samstag auch echt viel – wenn ich ehrlich bin viel zu viel für meinen Körper, der so langsam wieder fit wird, aber sechs Stunden hüpfen an einem Tag natürlich nicht einfach so wegsteckt. Und dann kam der besondere Lerneffekt: Ich stellte fest, dass ich mich darüber absolut nicht ärgerte und nicht „böse“ auf meinen Körper war. Im Gegenteil: Ich war dankbar und glücklich, dass er am Samstag so wahnsinnig viel mitgemacht und so lange durchgehalten hat. Vor der Probestunde vor ein paar Wochen wusste ich nicht, ob ich überhaupt hüpfen kann, und jetzt bin ich sechs Stunden gehüpft. Das ist phantastisch!!

Und das nach einer sowieso schon sehr bewegungsreichen Woche mit zwei Stunden Spinning am Dienstag, einem Treppenlauf am Mittwoch und einem Spinningmarathon am Donnerstag. Normalerweise hätte ich mir dieses Programm auf drei Wochen aufgeteilt, aber manchmal kann man es sich nicht aussuchen. Der Treppenlauf (der im übrigen super gut lief) war ein Event an der Uni den ich unbedingt mitmachen wollte, und beim Spinningmarathon (der auch überragend war) war ich Kursleiter und Mitorganisator, logisch dass ich da auch nicht nein sagen konnte. Dafür, dass das richtig viel an jedem einzelnen Tag, und verdammt viel für eine einzige Woche war, lief die Woche wahnsinnig gut – auch wenn ich am Sonntag beim zweiten Tag der Ausbildung fast nur noch zugeschaut habe (außer der Prüfung, natürlich).

Jetzt bin ich also Jumping Fitness Instructor (volle Punktzahl im Hüpfen– YEAH 😀 ) UND habe eine positivere, dankbarare Einstellung meiner eigenen Leistung gegenüber. Wenn das mal kein erfolgreiches Wochenende war!

Das geniale daran: Mit dieser Einstellung zieht man, auch wenn man Abstriche machen muss, eine viel positivere Bilanz, als wenn man zwar alles irgendwie durchbeißen kann, aber seinen Ansprüchen trotzdem nicht gerecht wird. Früher hätte ich mir am zweiten Ausbildungstag gesagt „Wenn ich nicht mehr kann, trink ich halt `nen vierfachen Espresso, dann geht das schon irgendwie. Der Schmerz trainiert sich weg.“ Bescheuert. Jedem anderen würde man sagen: „Nach dieser Woche ist das völlig legitim, setzt dich hin, schau und hör zu, mach dir nicht weh.“ Nur zu sich selbst ist man oft viel zu hart – ich war es jedenfalls. Natürlich kann man das nicht auf Knopfdruck umstellen, ich habe lange gebraucht, bis ich mir das nicht mehr nur eingeredet, sondern auch wirklich so gedacht habe. Aber seit diesem Wochenende funktioniert es, und es ist ein tolles und befreiendes Gefühl. Es ist so viel leichter, wenn man seinen Körper nicht mehr als „Leistungsmaschine“, sondern als Freund betrachtet. Einen sehr guten Freund, für den man nur das beste will – im Moment genauso wie langfristig gesehen. Schließlich ist man im besten Fall noch lange mit ihm befreundet.

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